«Das Gustofestival-Team hat in Argentinien unglaubliches geleistet» – Ein Reisebericht

 

Ich hatte keine Ahnung auf was ich mich einliess als ich das Flugzeug in Richtung Argentinien bestieg. Die Köche des «Gustofestival Swiss Culinaire», Boris Walker, Urban Schiess und Andy Zaugg, waren bereits seit Samstag in Buenos Aires. So machte ich mich als Nachzügler auf den Weg. Dass man Hitze vertragen muss, wenn man in der Küche arbeitet hatte ich ja bereits gehört, aber was in Buenos Aires passierte, bleibt mir für immer im Gedächtnis.

 

Tag 1 – der 05. April. Nachdem ich unsere Wohnung im Recoleta-Quartier in Buenos Aires bezogen hatte, ging es los. Der Empfang in der Residenz des Schweizer Boschafters, seiner Exzellenz Hanspeter Mock und Gattin Karin Mock, stand auf dem Terminkalender. Der Bortschafter hatte zu einem Abend für Botschaftern anderer südamerikanischer Länder sowie Schweizer Handelspartner und Handelsattachés geladen.Und wir vom Gustofestival bekamen die Chance, unsere Idee der «Schweizer Kulinarik im Gourmet-Stil präsentiert » vorzustellen. Boris Walker fungierte als offizieller Delegations-Leiter und präsentierte den Gästen der Botschaftsresidenz die Idee hinter «Swiss Culinaire». Im Anschluss an das Dinner, durften alle Gäste feinsten Schweizer Käse geniessen – herzlichen Dank an Les Molesons für die fantastischen Produkte. Wir nutzen die Zeit zum Kontakte knüpfen, fachsimpeln und erleben. Eines der diskutierten Themen: der krankheitsbedingte Ausfall der Botschafts-Küchenmannschaft. Als der Boschafter dann mit der Bitte auf uns zu kam, ob wir am übernächsten Tag für einen offiziellen Lunch in der Residenz einspringen könnten, wussten wir, dass ein unter Umständen folgenschwerer Entscheid zu treffen war. Schliesslich stand die Qualität unserer eigenen Veranstaltung «Swiss Culinaire» zur Debatte. Waren zwei solche Events an einem Tag wirklich zu schaffen?

 

Tag 2 – der 06. April. Boris und ich entschieden den Botschafter zu unterstützen, was wir seinem Büro auch umgehend mitteilten. So trennten wir uns: Andy Zaugg und ich trafen uns am Nachmittag mit Karin Mock zum einkaufen. Ab 17.00 Uhr begannen wir in der Küche der Residenz den 4-Gänger vorzubereiten. Echte Sterneküche, zu dritt. Andy, Karin Mock, ich, 10 Kilo Knochen und Gemüse für die Bouillon und jede Menge Hitze. Die Vorbereitungen dauerten bis spät in den Abend.  Boris Walker und Urban Schiess waren währenddessen in der Kochschule von Gate Gourmet in Argentinien, The BUE Trainers, um auf Einladung von Diego Gera «Swiss Culinaire» zu präsentieren. Danach ging es ohne Pause weiter im Privatmuseum von Juan Carlos Pallarols – notabene DER Silberschmied in Argentinien. Nicht nur der Präsidentenstab stammt aus seinem Atelier. Die Zeit raste – und das Wichtigste stand uns noch bevor.

 

Tag 3 – der 07. April. Die heisse Phase beginnt. Wir hatten bis 18.30 Uhr Zeit um unzählige Details für das Testessen in Dario Gualtieri’s Bistro - eine der Topadressen in Buenos Aires - vorzubereiten. Andy und ich fuhren aber zuerst wieder in die Residenz des Botschafters. Der am Vortag vorbereitete Botschafter-Lunch stand auf dem Programm. Die Herausforderung des Tages nicht zuletzt: 25 Dessertteller innerhalb von 30 Sekunden zu dekorieren und an den Mann zu bringen. Bevor die Schokolade anfängt in der argentinischen Hitze zu schmelzen. Ich musste noch nie so schnell und gleichzeitig konzentriert arbeiten! Unglaublich was all die Köche in der Spitzengastronomie Tag für Tag leisten. Um 15.00 Uhr war es geschafft und wir machten uns auf den Weg zu den Anderen. Die wirbelten bereits den ganzen Tag um den Event am Abend vorzubereiten. Es wurde mit Unterstützung von Don Julio ausgebeint, gewurstet, geschnibbelt und eingekocht. Und völlig unverhofft kam es noch zu einem Spontan-Radio-Interview von Boris auf Delta 90.3 FM. Die Küche stand Kopf als seine Stimme durch den Äther tönte. Es war uns bewusst, dass die geladenen Gäste, Journalisten, Spitzenköche und «Interessierten», uns für ihr wohlwollendes Urteil alles abverlangen würden. Urban Schiess und Andy Zaug übernahmen das Zepter in der Küche, Boris und ich kümmerten uns um den Empfang und den Aperitif für die Gäste. Es ging Schlag auf Schlag. Statt das feine Argentinisches Rind in 300gr Steaks auf den Teller zu bekommen, hatten die Gäste Schweizer Wurst und Fondue Vacherin Mont d'or vor sich. Ich war mir nicht sicher ob das gut ankommt. Am Ende wurden wir von den positiven Rückmeldungen überwältigt. Der Grundstein für eine erfolgreiche Durchführung des «Swiss Culinaire» war gelegt. Wir hatten es geschafft.

 

Tag 4 – der 08. April 2016. Während für Boris, Urban und Andy der Argentinien-Marathon noch weitergehen sollte, machte ich mich auf den Weg zum Flughafen. Ich war immer der Überzeugung gewesen, dass ich wusste was es bedeutet hart zu arbeiten - aber diese Woche mit maximal 4 Stunden Schlaf pro Nacht, setzte alles in Relation. Es war nicht nur heiss in der Küche. Es war ein Höllenritt!

 

Danke Boris, danke Andy, danke Urban – für diese unglaubliche Erfahrung. Wir können stolz sein auf das, was wir geschafft haben. Die Weichen in eine positive Zukunft des «Gustofestival» als Kulinarik-Event der Spitzenklasse sind gestellt. Dieser Event wird nicht nur in der Schweiz und in Argentinien neue Massstäbe setzen.  

 

Liebe Blogleser, wir sehen uns. Am «Gustofestival Patagonian Cuisine» – vom 15. bis 25. September 2016 in Solothurn und Olten und vielleicht sogar zu «Gustofestival Swiss Culinaire» vom 20. bis 23. Oktober 2016 in Buenos Aires. Und danach im Rest der Welt….

 

Hans-Jürg Gebhardt, Inhaber coUNDco AG